Robuste Hülle – variabler Kern

Ardez, Schweiz

«Hoch oben in den Bergen, weit von hier, da wohnt ein Büblein so wie ihr», schrieb Selina Chönz als ersten Satz ihres 1945 erschienen Kinderbuchs Schellen-Ursli. Das Engadinerhaus, mit den wuchtigen Steinmauern, dem Eingangstor in den Sulèr (Vorraum), den tiefen Fensterfluchten, dem Erker und den Verzierungen in Sgraffito-Technik, das der Künstler Alois Carigiet dort nach einer realen Vorlage in Guarda verewigt hat, echot in der Chasa Plazetta in Ardez. Mit 1467 m.ü.M. liegt Ardez nur knapp 200 m tiefer als die 1975 mit dem Wakkerpreis ausgezeichnete Nachbargemeinde Guarda. Und Ardez (dt. Steinsberg) wurde im selben Jahr als Pilotgemeinde des Europäischen Jahres für Denkmalpflege als Musterdorf mit beispielhafter Restaurierung der typischen Engadinerhäuser ausgewählt.

Als Restaurator hat sich Steivan Liun Könz, Sohn der Schellen-Ursli-Autorin, einigen der charakteristischen Kratzputz-Dekors in «Steinsberg» gewidmet. Dessen zwar jüngerer, aber früher zu Anerkennung gelangter Künstlerkollege Not Vital hat in Ardez eine Stiftung gegründet, die in einer rätoromanischen Bibliothek Drucke aus dem 17. und 18. Jahrhundert sammelt. Deren Heimstätte – das 1642 errichtete und 1757 aufgestockte «von Planta»-Haus – unterzog Nots Bruder Duri Vital 2004/05 einer sanften Renovation.

In der 2006 umgebauten und 2012 neu ausgestatteten Chasa Plazetta spinnen sich diese kulturgeschichtlichen Fäden weiter. Sie reiht sich ein in den vorbildhaften Umgang mit originaler Bausubstanz, die in diesem Fall auf das Jahr 1624 zurückgeht. Wie Duri Vital das Haus, das 60 Jahre lang leer gestanden hatte, heutigen Wohnbedürfnissen anpasste, schreibt die Entstehungsgeschichte dieses Haus-Typus fort, der sich im 15. und 16. Jahrhundert herausbildete.

Beim Engadinerhaus handelt es sich nämlich um ein Konglomerat verschiedener ehemals isoliert voneinander platzierter baulicher Elemente eines Bauernhofs – in einzigartiger Weise. Denn es vereinigt nicht nur Feuer- und Schlafhaus, Speicher, Stall und Scheune. Es integriert auch Laube und Hof unter einem Dach. Diese ehemaligen Aussenbereiche dienen innerhalb der Steinummantelung wohl der ursprünglichen Nutzung, funktionieren aber ebenso als interne Strassen, die zu den ihrerseits dem Bau einverleibten Eingängen des Ökonomieteils führen.

Vital öffnete diese internen Strassen oder Lauben gewissermassen wieder zum Aussenraum hin, indem er die traditionelle Trennung in einen Wohn- und einen Wirtschaftsteil nutzte, um die Versorgung mit natürlichem Licht zu verbessern. Er durchbrach die massive Wand zur Scheune hin. Die als Gewölbe ausgebildeten und mit elektrisch betriebenen Glasschiebetüren versehenen Gänge münden nun in dem teilweise überbrückten Luftraum, der ursprünglich für einen Flaschenzug ausgespart worden war. In die jenseitige Holzwand der Scheune wiederum liess er Ausschnitte fräsen, die nicht nur Licht einfallen lassen, sondern auch Panoramen rahmen. 

Den Effekt, die Lichtverhältnisse zu verbessern, hat auch der weisse Epoxidharzboden im zweiten Obergeschoss, der ausserdem den Kontrast von Alt und Neu thematisiert. Demgegenüber beliess Vital die originalen Holzbohlen im Sulèr, der früheren Durchfahrt zur Scheune, an denen sich das Schwinden des Holzes ablesen lässt und überbrückte sie lediglich mit einem «Catwalk» aus Tannenriemen.

Analog baute er eine Erdwärmeheizung ein und konservierte die mit Russ geschwärzten Partien der Küche. Dazu kontrastieren die Arbeitsplatte aus Edelstahl und die weissen Fronten der Einbaumöbel.

Kein USM erkennbar

Wie Vital die Architektur so behandelten die Besitzer Marcus Bühler und Regula Ernst die Inneneinrichtung als Kombination aus historischem Mobiliar und modernen Klassikern.

Zu den traditionellen Highlights gehört das Buffet, das vor 70 Jahren dem Unterengadiner Museum in Scuol verkauft worden war und nun wieder an seinem originalen Standort im Essraum platziert ist. Dazu gesellen sich u.a. einige Stabellen, Stühle mit dekupierter, geschnitzter Rückenlehne, die im 16. Jahrhundert den Hocker als Sitzmöbel abgelöst hatten. Das moderne Design wird bestritten von Sitzmöbeln Le Corbusiers (Sessel LC2 und den Stuhl LC1), Lampen von Ingo Maurer (Tischleuchte Birdie’s Busch) oder Poul Henningsen (Deckenlampe PH5) – sowie von Sideboards des USM Haller Möbelbausystems.

KEIN USM erkennbar

USM Haller,               Sideboard,                          braun,                            Zuhause,                              zu Hause,                   Wohnen

Dieses wirkt wie der Umbau kontrastierend, insofern als die «industrielle Anmutung» der Stahlbleche auf das rustikale Ambiente von Stall und Sulèr trifft, wo die Stücke platziert sind. Versöhnlichen Touch hat es in der Farbigkeit von orange – «warm zum Holz» – und dem Braunton, der sich an die Holzbalken anlehnt.

Es korrespondiert mit dem Geist der traditionellen Bauweise ebenso wie mit der handwerklichen Fertigkeit der Zimmermannskunst.

Das Stahlblech des Möbels bietet wie die Steinummantelung des Hauses ein Behältnis, das im Innern eine variable Bespielung zulässt.

Die ausgeklügelte, im Kanton Graubünden erfundene alternative Verbindungstechnik der Stabelle, die auf die «Krücke» einer Gratleiste zur Montage der Beine verzichtete, passt zur konstruktiven Eleganz des 1965 patentierten Knotens des USM Haller Möbelbausystems.

Und schliesslich reizt der Blick auf das orangefarbene USM Haller Sideboard zur Assoziation mit der Zeichnung von Schellen-Urslis Glocke, wie sie in der Alphütte hängt...

USM Haller Sideboard reinorange mit 6 Ausziehtüren, USM Farben reinorange, Gastgewerbe

Credits: 

Text: Rahel Hartmann Schweizer, Fotos: Bruno Augsberger, Architekt: Duri Vital

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